Weser Kurier berichtet über Hellmers P2: „Stapeltyp und Ordnungsfreak“

Junge Macher, Teil 8: Die Brüder Peter und Philipp Hellmers vereinen Architektur und Immobilienprojektierung

Egal ob Logistik-Unternehmen, Werbeagentur oder Hotel: Viele Bremer Firmen werden von jungen Geschäftsführern geleitet. Wer diese Menschen sind und wie sie zu ihren Berufen gefunden haben, zeigt die Serie „Junge Macher“. Zwei davon sind Peter und Philipp Hellmers. Die Bremer Brüder haben Hellmers P2 gegründet, ein kleines Unternehmen, das Architektur und Immobilienprojektierung unter einem Dach zusammenbringt.

Von Jörn Seidel
Bremen. Entlang der Kaje des Europahafens erstreckt sich über mehrere hundert Meter der Schuppen Eins. Gebaut als Stückgut-Umschlagschuppen verwandelt sich das zweigeschossige Industriegebäude zurzeit in eine schicke Herberge für Büros und Geschäfte. Aufbruchstimmung in der Überseestadt – auch Peter und Philipp Hellmers verkörpern sie. Erst vor wenigen Wochen haben sie mit ihrer Firma HellmersP2 ein Büroloft im Schuppen Eins bezogen, das sie sich mit einem Untermieter teilen. Das klare Ambiente mit hohen weißen Decken, dunklem Parkett und breiter Fensterfront zum Hafenbecken lässt erahnen, dass Ästhetik für die Hellmers-Brüder zur Geschäftsidee gehört.

Hellmers P2, das ist zum einen ein klassisches Architekturbüro und zum anderen ein Immobilienprojektierer. Architekt und Kaufmann unter einem Dach. „Unsere Kunden schätzen das. Das gibt es offenbar nicht oft“, sagt Philipp Hellmers. „So hocke ich nicht bloß alleine im Büro und mache schöne Entwürfe, die am Ende finanziell nicht funktionieren, sondern werde von meinem Bruder als Controller unterstützt.“ Philipp, der 33-jährige Architekt, gilt als der kreative Kopf der beiden. Sein Bruder Peter, der 32-jährige Diplomkaufmann, ist der Netzwerker und  Finanzexperte. Zusammengetan haben sie sich vor genau zwei Jahren.

Der Ältere begann zunächst mit einem Technikstudium und wechselte bald zur Architektur. Der Hang zur Tüftelei schien Philipp Hellmers bereits in die Wiege gelegt worden zu sein. „Kein Küchengerät und kein CD-Spieler war vor ihm sicher. Mit dem Schraubenzieher hat er alles zerlegt und genau studiert“, sagt Peter Hellmers über seinen Bruder. Noch heute kommt ihm das zugute, wenn er als Architekt nicht nur an schöne Fassaden, sondern auch an Energieeffizienz, Pumpsysteme und andere Raffinessen des modernen Hausbaus denken muss. Philipp Hellmers studierte in Hannover und Stuttgart und arbeitete parallel in der Architekturabteilung des namhaften Ingenieursbüros von Werner Sobek. Dann aber zog es ihn zurück in den Norden. Als Architekt war er in Stade angestellt – bis es nicht mehr weitergegangen sei, wie er sagt. „Ich wollte mehr selbst bestimmten.“

Das wollte auch sein jüngerer Bruder. Peter Hellmers studierte BWL in  Greifswald, arbeitete in Hamburg als Finanzberater für Start-ups und mittelständische Firmen, wechselte dann zu einem Münchener Investor, der Unternehmen in Anfangsphasen finanziert. „Manchmal habe ich ein halbes Jahr an einem Projekt gearbeitet, aus dem am Ende gar nichts wurde. Das war mir zu wenig greifbar“, sagt er. Auch wollte er die letzten Entscheidungen nicht immer jemand anderem überlassen. „Und dann kam Philipp auf die Idee, was Eigenes zu machen.“ So trafen sich die beiden wieder in ihrer Heimatstadt Bremen.

Ganz ohne Startkapital geht nichts. Selbst bei Dienstleistern ist das so, aber es ist leichter als woanders. Die Banken, bei denen die Brüder Unterstützung suchten, drängten die beiden zu möglichst großen Krediten. Das war ihnen jedoch zu heikel. Stattdessen starteten sie mit geringem Eigenkapital und einem Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur – eine große Hilfe, wie die beiden sagen. Sie begannen bescheiden. „Im Speicher I nebenan hatten wir eine Ecke in einer Bürogemeinschaft.“ Und die Brüder hatten auch Vertrauen in sich – und eine Vorstellung von dem, was sie wollen. „Uns war klar, dass wir eine moderne, schlichte Ästhetik wollen. Bei unseren Gebäuden legen wir großen Wert auf Energieeffizienz. Aber nicht nur praktisch sollen sie sein, sie müssen uns auch gefallen“, sagt Philipp Hellmers.

Sie wollen nicht nur deshalb selbst entscheiden, um noch erfolgreicher zu sein als im Angestelltendasein. Sie wollen auch selbst entscheiden, um ihre eigene Firmenphilosophie zu leben. „Wir arbeiten mit unseren Kunden meist über ein Jahr lang zusammen. Da müssen wir auch ästhetisch zusammenpassen und auf einer Wellenlänge sein“, sagt Philipp Hellmers. Und sein Bruder ergänzt: „Das Lachen mit unseren Kunden gehört zu unserer Arbeit unbedingt dazu.“

Die Anzahl der Kunden sei noch ausbaufähig, gibt Peter Hellmers zu. „Optimal wären parallel jeweils zehn bis 20 Investoren“, sagt er. Zurzeit haben die beiden sechs Projekte in Bearbeitung – vom Einfamilienhaus bis zum Einkaufszentrum. „Vor allem gehen wir gerne selbst mit offenen Augen durch die Welt“, sagt Philipp Hellmers. So wie vor einigen Monaten, als sein jüngerer Bruder Am Wall entlangfuhr und eine Baulücke entdeckte: einen eingeschossigen Nachkriegsbau. Sie recherchierten nach den Besitzern,  entwickelten Ideen und Entwürfe, verhandelten mit den Behörden und fanden schließlich einen Investor. Nun lassen sie dort ein neues Gebäude bauen – und werden die fertigen Wohnungen am Ende sogar selbst verkaufen.

Beratend zur Seite steht ihnen bei wichtigen Entscheidungen stets Vater Heiner Hellmers, ein erfahrener Immobilienkaufmann, der wisse, wie man mit Grundstücksbesitzern und Behörden umgehe, sagen die beiden. Überhaupt scheint das Verwandtschaftsverhältnis eine gute Basis zu für die noch junge Firma zu sein. „Ich finde es sehr gut, dass mein Bruder mein Geschäftspartner ist, weil man da ein nicht zu verkennendes Vertrauensverhältnis hat“, sagt Peter Hellmers. Und Philipp Hellmers ergänzt: „Man kennt die gegenseitigen Stärken wie auch Schwächen“. Dass beide unterschiedlich seien, würde man schon am Schreibtisch erkennen, sagt er. „Mein Bruder ist total ordentlich, während ich eher der Stapeltyp bin.“

Über ihre Ideen und Erfahrungen würden sich die beiden gerne mit anderen Bremer jungen Machern austauschen, zum Beispiel darüber, wie andere Firmen ihre Probleme lösen, welche Anstellungsverhältnisse sie für ihre Mitarbeiter wählen, wie sie Akquise betreiben oder mit Social Media umgehen. „Aber es scheint in Bremen wenig Interesse zu geben“, sagt Peter Hellmers. Als er mit Bruder Philipp in die Startphase von Hellmers P2 ging, gründete er nach einem Hamburger Vorbild den Gründerstammtisch „Open-Coffee-Club“. Das Interesse war gleich null. Nur die Xing-Seite des Klubs existiert heute noch. Die Hellmers-Brüder kann das nicht bremsen. Aufbruchstimmung verbreiten sie gern.

(Weser Kurier am Sonntag 19. Mai 2013)